Neu-Positionierung
In den letzten Wochen habe ich das Wort „Neu-Positionierung“ so oft gehört, dass ich es mir selbst auf die Liste geschrieben habe. „Ich muss mich neu positionieren. Wir sind dabei, uns neu zu positionieren. Sie sind dabei, sich neu zu positionieren.“ – Konjugieren Sie es durch. Alles davon wird dabei gewesen sein…Keine Frage, Neu-Positionierung hört sich professioneller an als: Ich habe wen oder was oder die Orientierung verloren. Mir hängt grad das Alles und das Nichts zum Halse raus. Ich will einfach meine Ruhe haben. Oder: Ich bin auf der Suche nach dem tieferen Sinn.
Und dabei ist Positionierung eigentlich ein Unwort für das, was gemeint und vielleicht erhofft wird. Wenn ich auf der Stelle trete und mich dann neu positioniere, dann versetze ich mich vielleicht in eine andere Lage, aber ich sitze wieder fest, nur auf einem anderen Standpunkt. Das Wort Positionierung täuscht Entwicklung vor, aber ist im Ursprung dem Stillstand verhaftet. Bewegung findet hier nur von A nach B statt.
Das Verführerische an der „Neu-Positionierung“ ist, dass es klingt wie der große Wurf, dem kein Üben voraus gehen muss. Ich glaube, dass mit mentalem Training kein Marathon zu schaffen ist. Es hilft nur, sich auf den Weg zu machen, auch wenn es manchmal scheint, dass es kein Stück vorangeht und es nichts zu bewundern gibt.
Aber wenn Vorhaben mit der Realität nicht konform gehen, dann sollte man sie lieber aufgeben und sagen: Das war nichts, weil… Trotzdem mache ich morgen weiter, nur habe ich ein neues Ziel. Und dann mache ich heute weiter, wo ich gestern aufgehört habe, und morgen weiter, womit ich heute nicht fertig werde...
Ich bin doch selbst schuld, wenn ich erfülle, was ich denke, was andere von mir erwarten. („Du darfst nicht alles glauben, was du denkst!“) Der Mensch ist ein soziales Wesen. Unordnung führt zu Chaos. Hingesagt, damit endlich Ruhe ist. Ja und? Was jetzt?
Mensch, mach keine Religion draus!

