Empathie

Laut der sozialen Neurowissenschaften ist Empathie erlernbar. Das gibt Hoffnung. Andererseits: Wenn Empathie erlernbar ist, müsste man sie eigentlich auch wieder verlernen können. Denn Wunsch-Verhalten schafft es meistens nur bis ins Kurzzeitgedächtnis. Ganz anders ist es mit Bewegungsabläufen. Sie schaffen es bis ins Rückenmark. Außer man hat dabei zu viel nachgedacht.

Es gibt zwei Ausprägungen von Empathie: die soziale und die asoziale. Bei der sozialen Empathie versucht der Mitfühlende zu verstehen, wie der andere fühlt, auch wenn er selbst in der gleichen Situation anders fühlen würde.  Bei der asozialen Empathie fühlt der Mitfühlende wie er selbst fühlen würde und verbündet sich (ungefragt) mit dem Fühlenden, was diesem dann gar nicht gut tut.

Und dann gibt es neben den Empathischen die Empathie-Fischer. Letztere würden ertrinken, wenn sie außerhalb ihres eigenen Safts schwimmen müssten. Sie brauchen sehr viel Aufmerksamkeit. Keiner weiß, was ihr Problem ist oder mal war. Empathie-Fischer sind empathische Katastrophen, weil sie immer eine Überleitung finden, ihre Themen wieder zur Sprache zu bringen.

Aber selbst wenn einem die Empathie nicht in die Wiege gelegt wurde, (was nicht immer ein Nachteil sein muss, denn weniger Empathie bedeutet weniger geteiltes Leid) wäre allein mit logischem Denken Vielen sehr geholfen. Ich denke da im Speziellen an geschäftliche E-Mails, die vom Smartphone aus gesendet werden. Erster Denkanstoß: Wie beliebt mache ich mich bei meinen Kollegen, Dienstleistern oder Kunden, wenn ich aus dem Biergarten, von der Einkaufsmeile oder aus einem Pups-Meeting E-Mails verschicke, während sie (immer) noch im Büro sitzen und über einer Problemlösung brüten? Jetzt wäre an der E-Mail an sich, egal von welchem Endgerät aus, gar nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil. Die Meta-Message könnte sein: Ich lasse euch nicht im Stich. Ich helfe, wo und immer ich kann. Ich liebe euch alle!

Jetzt gibt es bei diesen E-Mails nur ein Problem: Ihr Informationsgehalt liegt in der Regel bei 5% und ihr Beitrag zur Problemlösung bei exakt 0%. Und damit ist auch die Meta-Message im Eimer. Denn die Empfänger machen solche E-Mails sauer, weil sie sich nicht ernst genommen fühlen. Geniale Lösungen lassen sich eben nur selten aus der Hüfte schießen. Außer man ist ein Genie. Aber die meisten Smartphone-Besitzer sind Mittelmaß. Und ich auch. Aber das ist ja auch nicht schlimm. Man muss nur einfach das Beste draus machen und vernünftig damit umgehen.

Und mal ganz ehrlich: Die wenigsten von uns operieren an Blinddarm-Durchbrüchen. Von daher spielen Sekunden meistens keine Rolle und ein interaktives Gespräch oder eine durchdachte E-Mail am nächsten Morgen bringt’s mehr. Nur weil was technisch möglich, muss man es ja nicht zwangsläufig nutzen. Jedenfalls nicht unüberlegt. Nur weil es Kettensägen gibt, die es mir auch als Frau theoretisch leichter machen, alle Bäume in unserer Straße zu fällen, MUSS ICH DAS NICHT TUN.

Daher plädiere ich für mehr Mitgefühl oder wieder mehr Firmenwagen und weniger Firmenhandys!

Das Wort "Empathie" hat mir geschickt: Patrick S. aus K.